So hätte in Wahrheit der Titel einer Veranstaltung lauten müssen, die auf der diesjährigen DIRK-Jahreskonferenz unter "Integrierte Geschäftsberichts-Produktion mit einer Agentur" angeboten wurde.[1]

Dort sollte das Redaktionssystem Woodwing Enterprise beworben werden; zunächst aber geht die Vertreterin einer Hamburger Berichtsmanufaktur auf FIRE.sys ein: "Eine akzeptable (!), relativ preiswerte ‚Zu Fuß‘-Lösung, bei der der IR-Manager Grafiker-Aufgaben" übernimmt.

Und damit kommt Sie auch schon auf den ersten Pferdefuß von Woodwing Enterprise zu sprechen  – die Entmündigung der Autoren durch die Agentur (die davon lebt):

Am Beispiel einer Wiener Sparkassen-Tochter sehen wir, wie der IR Manager über einen Webbrowser Texte zwar selbst schreiben und ändern kann, aber für kleinste formale Änderungen (Spalten oder Seitenumbruch) die Agentur um Hilfe bitten muss. Und um dieses Hin und Her zwischen Wien und Hamburg zu managen, wird im Unternehmen (sicher nicht zur Freude der IT und offenbar auch nicht „relativ preiswert“) ein serverbasiertes Workflow-Management-Tool installiert …

Aber das Beste kommt noch, denn ein Geschäftsbericht enthält ja auch Zahlen!

Die Agentur legt die Tabellen in DTP-Programm Indesign an, der „Leiter Unternehmenskommunikation & Investor Relations“ gibt im Browser oder einem Texteditor die aktuellen Zahlen ein, Zahl für Zahl, mit der Hand. Ob ihn das wirklich glücklich macht?

Die ganze Veranstaltung hat gezeigt, wie wenig sich solche Systeme für den Geschäftsbericht eignen. Aber eigentlich ist das auch nicht verwunderlich: Woodwing Enterprise oder K4 wurden für die Magazin- und Werbemittel-Produktion entwickelt und sind dort heute aus den Redaktionen nicht mehr weg zu denken. Für den Geschäftsbericht, dessen Imageteil sowieso die Agentur erstellt und dessen Pflichtteil sehr standardisiert gestaltet ist, sind sie eher eine Fehlinvestition.[2]


Übrigens: Die Mutter der österreichischen Sparkassen, die Erste Group Bank, erstellt Print- und HTML-Online-Version ihrer Finanzberichte mit FIRE.sys, ohne dass Manager und Assistenten dort Zahlen abtippen.

[1] Leider ist die aufschlussreiche Präsentation auf der DIRK-Webseite nicht zu finden, in ähnlicher Form aber direkt bei der Berichtsmanufaktur .
[2] In seinem Vortrag "Ein Redaktionssystem für den Geschäftsbericht!? Ja, aber was sollte es können?"  hat Professor Kreulich (Hochschule München) eine Checkliste zur Vorauswahl von Redaktionssystemen vorgestellt, die bei der Entscheidungsfindung sehr hilfreich sein kann.

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2 Kommentare
 
 

Dragica Sikic

11. August 2011 - 08:21

Uns bei der Tognum AG geht es ähnlich: Zahlen abtippen kommt nicht in Frage, da die Gefahr von Fehlern viel zu groß ist. Auch Copy&Paste ist zeitintensiv und nicht wirklich optimal, wenn sich Änderungen ergeben.

Mit FIRE.sys haben wir durch den einfachen Import unserer Zahlen ins Dokument stets eine aktuelle Version.

Und weil wir in dem Word-basiertem System alles selber machen können, haben wir Flexibilität bis zum Schluss und umgehen damit das Bottleneck Agentur oder Satz.

 

Stegmaier, Ursula

25. Juli 2011 - 14:34

Mir persönlich ist es ein Rätsel, wie ein Unternehmen gerade bei Finanzpublikationen, bei denen es zumeist um hohe Zahlengenauigkeit bei großer Terminknappheit geht, nicht von der Möglichkeit Gebrauch macht, die Zahlen automatisch mit Fire.sys einzulesen. Fehler, die man in Grafikprogrammen bei der Übertragung von Hand oder per Copy & Paste macht, sind vorprogrammiert, gerade in der heißen Phase kurz vor Fertigstellung des Berichts.

Ich habe lange gezögert, Fire.sys einzusetzen, aber als ich es dann genutzt habe, war es ein Segen. Und die Agentur hatte um so mehr Zeit für die kreative Arbeit auf den Imageseiten. Welch ein Zugewinn!